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Dem Biber auf der Spur- Begegnungen mit einem viele Millionen Jahre alten Nagetier

Meistens sieht man den Biber so - markant sind die kantige Kopflinien - Foto: Jan Schöne
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Meistens sieht man den Biber so - markant sind die kantige Kopflinien - Foto: Jan Schöne


PRESSEMITTEILUNG | NABU-Naturschutzstation Biberhof Torgau|

22. November 2021 

Dem Biber auf der Spur

Begegnungen mit einem viele Millionen Jahre alten Nagetier

Eine feuchtkalte Novembernacht an einem nordsächsischen Gewässer: Die halbe Mondscheibe liefert nur ein fahles, trügerisches Zwielicht. Wind kommt auf. Es riecht sumpfig und nur ein ferner Käuzchenruf ist zu hören. Manchmal raschelt etwas, manchmal knabbert es unter den Zweigen und manchmal ist es aber auch ganz still. Plötzlich klatscht es nur wenige Meter vom Ufer entfernt ordentlich auf dem Wasser. Laut und heftig, als ob jemand mit der flachen Hand aufs Wasser schlägt – ein Geräusch zum Erschrecken. Wer soll das gewesen sein? Was war das? Ein Fisch? Ein Vogel oder eine Einbildung? So oder ähnlich kann sich eine Begegnung mit dem Elbebiber (Castor fiber albicus) abspielen. Denn das Klatschen auf Wasser ist sein Warnsignal. Der Biber schlägt dabei mit seinem breiten Kellenschwanz auf die Wasseroberfläche und taucht dann meistens gekonnt unter Wasser ab. So warnt er seine Artgenossen und bringt sich gleichzeitig in Sicherheit, indem er sich unsichtbar macht. Wasser ist sein Element. Es bietet dem Biber Schutz und erleichtert ihm den Transport von Ästen und Zweigen, die er als Nahrung oder für Dämme und für seinen Bau benötigt.

Körpereigene Öle zum Imprägnieren und Reviermarkieren

Jan Schöne, seit September Leiter der NABU-Naturschutzstation Biberhof Torgau, beobachtet die Tiere bereits seit mehr als zehn Jahren, zunächst als Revier-Betreuer an der Weißen Elster im Nördlichen Leipziger Auwald, jetzt auch in der Umgebung von Torgau. „Meinen ersten Biber habe ich beim Angeln an der Mulde beobachten können. Es war ein lauer Junimorgen zwischen vier und fünf Uhr morgens und der Biber tat gar nicht erschrocken, sondern saß auf einer kleinen Insel in einem Seitenarm der Mulde und putzte sich“, erzählt Jan Schöne. So ist er zufällig Zeuge der Morgentoilette und Fell-Imprägnierung geworden. Denn das Biberfell ist nicht nur wegen der sehr hohen Anzahl der Fellhaare wasserdicht, sondern auch, weil der Biber sein Fell mit einem körpereigenen Öl einfetten kann. Dieses Imprägnier-Öl ist nicht zu verwechseln mit dem legendären Castoreum oder Bibergeil. Das ist ein weiteres körpereigenes Öl, welches der Biber aber nicht zum Imprägnieren, sondern zur Reviermarkierung und zur Kommunikation mit Artgenossen nutzt. Dieses Castoreum wurde dem Biber fast zum Verhängnis, denn im Mittelalter galt es als Heilmittel für und gegen fast alle Beschwerden. Nicht ganz zu Unrecht: Über die Weide, seine Hauptnahrung, nimmt der Biber Salicylsäure auf und die wiederum lagert sich im Castoreum ein. Salicylsäure ist der Hauptwirkstoff der Aspirin-Tablette und wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend. Der Elbebiber ist ein evolutionär sehr erfolgreiches Tier: Seit 20 Millionen Jahren lebt er auf diesem Planeten – buchstäblich so alt wie die Braunkohle, die aus Bäumen entstanden ist, die ebenfalls vor 20 Millionen Jahren wuchsen. Ein Tier, welches das Wasser als Schutz- und Transportraum nutzt, aber auch an und über Land gehen kann. Ein Tier, das aktiv seinen Lebensraum gestaltet und eine wechselvolle und teilweise auch dramatische gemeinsame Zeit mit uns Menschen erlebte und erlebt.

Mehr über den Biber lernen

„Damit wir uns mit dem Biber gut vertragen, seine Lebensweise als uns vorteilhaft erkennen und im Konfliktfall besonnen reagieren können, müssen wir viel über den Biber wissen und lernen, ihn beobachten und verstehen. Wir müssen hinterfragen, was er macht und warum er es macht, und wir dürfen staunen über das hohe Maß an Angepasstheit, die 20 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte dieses Tieres hervorgebracht haben“, schildert Jan Schöne.

Der NABU-Biberhof wird in loser Folge Wissenswertes über den Biber berichten; nicht nur über das Tier an sich, sondern auch über seine ökologische und kulturhistorische Bedeutung.

Kontakt:

NABU-Naturschutzstation Biberhof Torgau

Dahlener Straße 19, 04698 Torgau

Jan Schöne (Leiter)

schoene_at_NABU-Sachsen.de

biberhof.torgau_at_NABU-Sachsen.de

Telefon: 03421 902703 (Mobil: 0176 12333145)

Telefax: 03421 704100


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